Vortrag
Wenn die alten Griechen an das Leben nach dem Tod dachten, hatten sie zwar unterschiedliche Vorstellungen von der Unterwelt. Eines jedoch war vollkommen klar: Das Leben dort unten verbrachte man in Finsternis. Der Vortrag nähert sich den Vorstellungen der Griechen und Römer von dieser Unterwelt, indem er ihren Erfahrungen und Vorstellungen von Höhlen und der Nacht besondere Aufmerksamkeit widmet. Anschließend zeigt er, dass die frühen Christen eine völlig andere Vorstellung vom Leben nach dem Tod entwickelten, die durch ewiges Licht, lux perpetua, gekennzeichnet war. Abschließend fragt er danach, inwieweit Licht und Finsternis für moderne Vorstellungen vom Leben nach dem Tod von Bedeutung sind.
Referent:
Prof. Dr. Jan N. Bremmer, Jan N. Bremmer ist emeritierter Professor für Religionswissenschaft an der Universität Groningen, Niederlande. Er studierte Klassische Philologie und Spanisch an der Vrije Universiteit Amsterdam und der University of Bristol und wurde 1979 mit einer Dissertation über frühgriechische Vorstellungen von der Seele promoviert. Er hat umfangreich zur griechischen, römischen und frühchristlichen Religion sowie zu ihrer Historiographie in der Neuzeit publiziert. Er veröffentlichte zahlreiche Aufsätze und Bücher, zuletzt "Maidens, Magic and Martyrs in Early Christianity" (2017), "The World of Greek Religion and Mythology" (2019) und "Jews, Pagans and Christians in the Roman Empire" (2025) sowie viele (mit-)herausgegebene Bände wie "The Infancy Gospel of Thomas" (2025) und "Total Devotion in Late Antique Christianity: Emotions and Narratives in Ancient Radical Religion" (2026).
| Veranstaltungsnr. | 7-83883 |
| Datum | Do 26.11.2026, 19:00 Uhr |
| Ort | Basilika St. Emmeram, Emmeramsplatz 3, 93047 Regensburg |
| Gebühr | Kostenfrei |
| Veranstalter | Centre for Advanced Studies "Beyond Canon" der Universität Regensburg und KEB |
| Anmeldung | ohne Anmeldung |
Das Kunstwerk:
1992 hat sich der Berliner Künstler Axel Neumann im Rahmen eines Selbstexperiments drei Wochen in Dunkelheit und Stille isoliert. Der Reizentzug löste eine Flut innerer Bilder aus, die er seitdem unermüdlich zu Papier brachte - in einer eigenen, detailgenauen Maltechnik mit Patronenfüller und Acrylfarbe. Die Rote Symphonie, die von 11. September bis 31. Dezember 2026 in der Basilika St. Emmeram in Regensburg ausgestellt wird, ist eines dieser Bilder.
Das Forschungsprojekt:
Am Centre for Advanced Studies "Beyond Canon" der Universität Regensburg untersucht ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Theologieprofessoren Tobias Nicklas, Harald Buchinger und Andreas Merkt apokryphe Traditionen im Zusammenspiel von Texten, Ritualen und materialer Kultur. Unter anderem erforschen sie Visionsdarstellungen in Text und Bild. Dabei zeigen sich Bezüge zu Neumanns Kunst: Visionen werden oft auf Dunkelheitserfahrungen in Kerkern oder Höhlen zurückgeführt. Spirituelle Autoren reflektieren über den Zusammenhang von Reizreduktion und Wahrnehmung des "Übersinnlichen". Die Schilderung der himmlischen Stadt in der Offenbarung des Johannes und manche Visionsdarstellungen in Buchmalereien ähneln Neumanns Bildern in Farbgebung und Motiven.
Kunst und Wissenschaft:
In den Vorträgen beleuchten Fachleute aus Bern, Groningen und Regensburg das Kunstwerk und seine Entstehung aus der Perspektive der Religionsgeschichte, der Religionswissenschaft und der Neurowissenschaften.
| Veranstaltung | Doppelvortrag: Einblicke aus den Kognitiven Neurowissenschaften und in die Synästhesie |
| Datum | Do 22.10.2026, 19:00 Uhr |
| Veranstaltung | Gleißendes Licht und Lebensfilm: Visionen in Todesnähe als transformative Erfahrungen |
| Datum | Do 29.10.2026, 19:00 Uhr |
| Veranstaltung | Künstlerabend in Erinnerung an Axel Neumann: Gedanken, Bilder und Gespräche |
| Datum | Do 05.11.2026, 19:00 Uhr |
| Veranstaltung | Nächte, Höhlen und Visionen: Von der Finsternis der Unterwelt zur himmlischen Lux Perpetua |
| Datum | Do 26.11.2026, 19:00 Uhr |