Vortrag
Schon in den 1970er Jahren, als der Begriff der Nahtoderfahrungen geprägt wurde, geschah dies im Protest gegen eine "materialistische" Sicht auf den Menschen inklusive der Theorie eines mit dem Hirntod endenden Bewusstseins. Menschen, die lebensbedrohliche Zustände überlebten, berichten hingegen von Erfahrungen, die ihnen besondere Einlicke in eine tiefere Realität, in sich selbst, oder ein Jenseits gaben, und die, wie sie weiter berichten, für sie zum Anlass einer grundsätzlichen Neuorientierung im Leben wurden. Der Vortrag wird vor allem zwei der berichteten Erfahrungen bzw. Visionen, nämlich das gleißende Licht und die "panoramische Lebensrückschau" genauer betrachten und auf ihre religiösen, psychologischen und philosophischen Dimensionen hin befragen.
Referent:
Prof. Dr. Jens Schlieter, Studium der Philosophie, Buddhismuskunde, Tibetologie und Religionswissenschaft in Bonn und Wien, Promotion mit einer Arbeit zur vergleichenden Sprachphilosophie. Seit 2005 Professor für systematische Religionswissenschaft in Bern. Gastprofessuren und Fellowships in Neu Delhi, Santa Barbara (USA), Bayreuth und Erlangen.
Forschungsschwerpunkte: Fragen der systematischen Religionsforschung (z.B. nach außerorderdentlichen Erfahrungen), die Ideengeschichte und Philosophie des indisch-tibetischen Buddhismus, buddhistische Ethik.
| Veranstaltungsnr. | 7-83880 |
| Datum | Do 29.10.2026, 19:00 Uhr |
| Ort | Basilika St. Emmeram, Emmeramsplatz 3, 93047 Regensburg |
| Gebühr | Kostenfrei |
| Veranstalter | Centre for Advanced Studies "Beyond Canon" der Universität Regensburg und KEB |
| Anmeldung | ohne Anmeldung |
Das Kunstwerk:
1992 hat sich der Berliner Künstler Axel Neumann im Rahmen eines Selbstexperiments drei Wochen in Dunkelheit und Stille isoliert. Der Reizentzug löste eine Flut innerer Bilder aus, die er seitdem unermüdlich zu Papier brachte - in einer eigenen, detailgenauen Maltechnik mit Patronenfüller und Acrylfarbe. Die Rote Symphonie, die von 11. September bis 31. Dezember 2026 in der Basilika St. Emmeram in Regensburg ausgestellt wird, ist eines dieser Bilder.
Das Forschungsprojekt:
Am Centre for Advanced Studies "Beyond Canon" der Universität Regensburg untersucht ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Theologieprofessoren Tobias Nicklas, Harald Buchinger und Andreas Merkt apokryphe Traditionen im Zusammenspiel von Texten, Ritualen und materialer Kultur. Unter anderem erforschen sie Visionsdarstellungen in Text und Bild. Dabei zeigen sich Bezüge zu Neumanns Kunst: Visionen werden oft auf Dunkelheitserfahrungen in Kerkern oder Höhlen zurückgeführt. Spirituelle Autoren reflektieren über den Zusammenhang von Reizreduktion und Wahrnehmung des "Übersinnlichen". Die Schilderung der himmlischen Stadt in der Offenbarung des Johannes und manche Visionsdarstellungen in Buchmalereien ähneln Neumanns Bildern in Farbgebung und Motiven.
Kunst und Wissenschaft:
In den Vorträgen beleuchten Fachleute aus Bern, Groningen und Regensburg das Kunstwerk und seine Entstehung aus der Perspektive der Religionsgeschichte, der Religionswissenschaft und der Neurowissenschaften.
| Veranstaltung | Doppelvortrag: Einblicke aus den Kognitiven Neurowissenschaften und in die Synästhesie |
| Datum | Do 22.10.2026, 19:00 Uhr |
| Veranstaltung | Gleißendes Licht und Lebensfilm: Visionen in Todesnähe als transformative Erfahrungen |
| Datum | Do 29.10.2026, 19:00 Uhr |
| Veranstaltung | Künstlerabend in Erinnerung an Axel Neumann: Gedanken, Bilder und Gespräche |
| Datum | Do 05.11.2026, 19:00 Uhr |
| Veranstaltung | Nächte, Höhlen und Visionen: Von der Finsternis der Unterwelt zur himmlischen Lux Perpetua |
| Datum | Do 26.11.2026, 19:00 Uhr |