Vortrag
Doppelvortrag von Prof. Dr. Angelika Lingnau und Prof. Dr. Gregor Volberg.
Prof. Dr. Angelika Lingnau: Bildliche Vorstellungen sichtbar machen: Einblicke aus den Kognitiven Neurowissenschaften
Kann die Bildgebung des Gehirns offenbaren, was wir vor unserem "geistigen Auge" sehen? Jüngste Fortschritte in der kognitiven Neurowissenschaft haben es ermöglicht, visuelle Erlebnisse, vorgestellte Objekte und sogar geträumte Bilder anhand von Mustern der Hirnaktivität teilweise zu rekonstruieren. Dieser Vortrag stellt die wissenschaftlichen Grundlagen dieser Entwicklungen vor und erläutert, was aktuelle bildgebende Verfahren aus neuronalen Signalen entschlüsseln können.
Prof. Dr. Gregor Volberg: Farben sehen: Einblicke in die Synästhesie
Menschen mit Graphem-Farb-Synästhesie nehmen objektiv unfarbige Schriftzeichen farbig wahr, zum Beispiel den schwarzen Buchstaben "A" in der Farbe Rot. Im Vortrag werden verschiedene Themen zur Synästhesie aus einer neurowissenschaftlichen Perspektive dargestellt. Woher kommen die Farben, gibt es Regeln für die Zuordnung von Farbe zu Buchstaben, und sind wir vielleicht alle Synästhetiker?
Referenten:
Prof. Dr. Angelika Lingnau, Angelika Lingnau ist Professorin für Kognitive Neurowissenschaften an der Universität Regensburg; ihre Forschung untersucht, wie das menschliche Gehirn Handlungen anderer Menschen erkennt und versteht. Sie erforscht, wie moderne bildgebende Verfahren des Gehirns - wie etwa die funktionelle MRT - genutzt werden können, um Informationen aus Mustern der Hirnaktivität "auszulesen" und offenzulegen, wie Wahrnehmung, Gedanken und Handlungen im Gehirn repräsentiert sind. Nach Forschungsaufenthalten in den Niederlanden, Italien und Großbritannien wurde sie Professorin an der Universität Regensburg, wo sie die neuronalen Grundlagen der visuellen Kognition und der Handlungswahrnehmung erforscht. Ihre Arbeit verbindet Psychologie, Neurowissenschaften und computergestützte Methoden, um besser zu verstehen, wie das Gehirn die uns umgebende Welt interpretiert.
Prof. Dr. Gregor Volberg, Gregor Volberg studierte in Bochum Psychologie, promovierte in Konstanz über funktionelle Gehirnasymmetrien und habilitierte sich in Regensburg zu speziellen Leistungen des Sehsystems. Seit 2021 ist er außerplanmäßiger Professor an der Arbeitsgruppe "Cognitive Neuroscience" an der Universität Regensburg. Dort untersucht er neuronale Mechanismen der Objektwahrnehmung. Besonders interessieren ihn Wahrnehmungsfehler, zum Beispiel die Graphem-Farb-Synästhesie, bei der bestimmte, objektiv unfarbige Buchstaben als farbig wahrgenommen werden. Gregor Volberg stellt eigene Arbeiten und aktuelle Trends in der Synästhesieforschung vor.
| Veranstaltungsnr. | 7-83879 |
| Datum | Do 22.10.2026, 19:00 Uhr |
| Ort | Basilika St. Emmeram, Emmeramsplatz 3, 93047 Regensburg |
| Gebühr | Kostenfrei |
| Veranstalter | Centre for Advanced Studies "Beyond Canon" der Universität Regensburg und KEB |
| Anmeldung | ohne Anmeldung |
Das Kunstwerk:
1992 hat sich der Berliner Künstler Axel Neumann im Rahmen eines Selbstexperiments drei Wochen in Dunkelheit und Stille isoliert. Der Reizentzug löste eine Flut innerer Bilder aus, die er seitdem unermüdlich zu Papier brachte - in einer eigenen, detailgenauen Maltechnik mit Patronenfüller und Acrylfarbe. Die Rote Symphonie, die von 11. September bis 31. Dezember 2026 in der Basilika St. Emmeram in Regensburg ausgestellt wird, ist eines dieser Bilder.
Das Forschungsprojekt:
Am Centre for Advanced Studies "Beyond Canon" der Universität Regensburg untersucht ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Theologieprofessoren Tobias Nicklas, Harald Buchinger und Andreas Merkt apokryphe Traditionen im Zusammenspiel von Texten, Ritualen und materialer Kultur. Unter anderem erforschen sie Visionsdarstellungen in Text und Bild. Dabei zeigen sich Bezüge zu Neumanns Kunst: Visionen werden oft auf Dunkelheitserfahrungen in Kerkern oder Höhlen zurückgeführt. Spirituelle Autoren reflektieren über den Zusammenhang von Reizreduktion und Wahrnehmung des "Übersinnlichen". Die Schilderung der himmlischen Stadt in der Offenbarung des Johannes und manche Visionsdarstellungen in Buchmalereien ähneln Neumanns Bildern in Farbgebung und Motiven.
Kunst und Wissenschaft:
In den Vorträgen beleuchten Fachleute aus Bern, Groningen und Regensburg das Kunstwerk und seine Entstehung aus der Perspektive der Religionsgeschichte, der Religionswissenschaft und der Neurowissenschaften.
| Veranstaltung | Doppelvortrag: Einblicke aus den Kognitiven Neurowissenschaften und in die Synästhesie |
| Datum | Do 22.10.2026, 19:00 Uhr |
| Veranstaltung | Gleißendes Licht und Lebensfilm: Visionen in Todesnähe als transformative Erfahrungen |
| Datum | Do 29.10.2026, 19:00 Uhr |
| Veranstaltung | Künstlerabend in Erinnerung an Axel Neumann: Gedanken, Bilder und Gespräche |
| Datum | Do 05.11.2026, 19:00 Uhr |
| Veranstaltung | Nächte, Höhlen und Visionen: Von der Finsternis der Unterwelt zur himmlischen Lux Perpetua |
| Datum | Do 26.11.2026, 19:00 Uhr |